Aktuelles aus der
Gesundheitsregion

Neue Mitglieder

Nr.:68
LAUZAT & EDER GmbH, Berlin

Nr.:67
Dr. med. Cordula Tomalik, Neuenhagen

Nr.:66
Marc Weichert., Berlin

Aktuelle Veranstaltungen

Gemeinsame Aufgaben für Studierende und Ärzte

Gesundheitsregion Brandenburg BB

Um eine Region voranzubringen, braucht es neben einem Ziel Vordenker, Mitgestalter und eine gemeinsame Plattform. Diese bietet den verschiedenen Playern im Gesundheitswesen der Verein „Gesundheitsregion Brandenburg/BB“ mit gemeinsamen Treffen und Aktionen. Bei den als „Mitgliedervisite“ bekannten Veranstaltungen werden Lösungsansätze für aktuelle, brennende Themen gesucht. So auch am 3. Mai, als sich Vereinsmitglieder und zahlreiche Gäste im altehrwürdigen Festsaal der Ruppiner Kliniken versammelten, um ein Projekt auf den Weg zu bringen: den Studenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) Praktika in den Arztpraxen der Region zu vermitteln.

Die noch junge Hochschule, die sich der Versorgungsforschung verschrieben hat, bietet Studiengänge in den Fächern Medizin und Psychologie an. Gegenüber vielen anderen Universitäten setzt die MHB vom ersten Semester an auf Praxisnähe. Der „Praxistag“, der an sechs bis sieben Terminen pro Semester stattfindet, ist für die Studierenden ein Highlight, können sie doch ihr theoretisches Wissen im medizinischen Alltag unter Aufsicht am Patienten anwenden. Zwar gibt es im Land schon an die 50 Arztpraxen, die den angehenden Kollegen ihre Türen öffnen, doch es könnten noch mehr sein.

Dass das Thema bei den Medizinern des Landes durchaus auf Interesse stößt, ließen die beinahe 100 Besucher, die sich auf den Weg nach Neuruppin gemacht hatten, vermuten. Zwar gaben sich einige noch etwas zurückhaltend – Praktikanten zu betreuen kostet Zeit und bringt den Praxisablauf durcheinander – doch erhielt die Hochschule durchweg Lob für ihre Praxisorientierung. Konkret nachgefragt, konnten sich mehrere Praxisinhaber sogar vorstellen, den jungen Leuten eine Chance zu bieten.

Dass sie damit unbedingt richtig liegen, zeigten die Statements zweier Studierender und zweier Ärzte, die über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Praxistag berichteten. Insgesamt gab es viel Lob. Die einzige kritische Anmerkung betraf die Zeitfrage, doch das war allen bereits bewusst, bevor sie sich auf die Aufgabe einließen. Als viel wichtiger und angenehmer stellten beide Seiten die Vorteile heraus, die sie aus ihrer gemeinsamen Zeit zogen. Während die Praxisinhaber die Sichtweise junger angehender Mediziner inspirierte, einen Blick von außen auf das Praxisgeschehen zu werfen und sogar gelegentlich das eigene Handeln zu hinterfragen,  profitierten die Neulinge von den Erfahrungen der gestandenen Ärzte. Die Patienten waren in den allermeisten Fällen aufgeschlossen und erfreut über die jungen Leute.

Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag des  „Hausherren“.  Dekan Univ.-Prof. Dr. Prof. h.c. Dr. h.c. Edmund A. M. Neugebauer stellte höchstpersönlich seine junge Hochschule und die vielfältigen Forschungsprojekte vor.

Beim anschließenden Get together ergaben sich viele Gelegenheiten, sich auszutauschen und Kontakt zu den Studenten aufzunehmen. Mit dem Praxistag ist ein guter Anfang gemacht. In naher Zukunft wird es darum gehen, wie man die jungen Ärzte dazu bringt, sich gegen den Trend und damit gegen die Großstadt zu entscheiden, um sich für eine Zukunft  im kleinstädtischen oder ländlichen Bereich zu begeistern. Der Verein Gesundheitsregion Brandenburg BB, der am 3. Mai einige neue Mitglieder hinzugewinnen konnte, wird die Mediziner dabei begleiten.

Einige Impressionen der Mitgliedervisite:


Mit Leidenschaft für die Rechtmedizin

Gesundheitsregion Brandenburg / BB besucht Landesinstituts-Chef Dr. Jörg Semmler

In einer Gesellschaft, die von ihren Mitgliedern vor allem Schnelligkeit, Effizienz und Erfolg fordert, bleibt für den Tod eines Menschen oftmals nur wenig Raum. Man könnte fast sagen, dass das Finale des Lebens in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus dem Alltags-Bewusstsein ausgegrenzt, an den Rand geschoben und verdrängt wurde. Gestorben wird immer häufiger in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder einsam zu Hause. Nur besondere Einzelschicksale, wie das Ableben von Prominenten oder spektakuläre Mordfälle erfahren noch gesellschaftliche Beachtung.

Für Dr. Jörg Semmler gehört der Tod eines Menschen dagegen zum beruflichen Alltag. Egal ob natürlich, unnatürlich, spektakulär und prominent oder still und heimlich. Als dienstältester Rechtsmediziner Deutschland hat er in über 40 Berufsjahren wohl beinahe mit allen Todesarten schon zu tun gehabt. In gut einem Jahr tritt der langjährige Chef des Brandenburgischen Landesinstituts für Rechtsmedizin in den Ruhestand. Seine Erfahrung und sein Wissen möchte er jedoch soweit irgend möglich weitergeben.

Diese Offenheit hat jetzt der Verein Gesundheitsregion Brandenburg / BB genutzt und sich in Dr. Semmlers Institut unweit des Potsdamer Schlosses Lindtstedt zur Visite eingefunden. Über 20 Ärztekollegen und Vertreter anderer Berufe der Gesundheitswirtschaft folgten gerne der Einladung und verbrachten einen durchaus lebendigen Abend in der Potsdamer Rechtsmedizin.

Schnell wurde klar, dass Rechtsmedizin entgegen allen Klischees keinesfalls nur aus dem Sezieren toter Körper besteht. Erfahrungen, Wissen, präzise Laborarbeit und vor allem Menschenkenntnis sind mindestens genauso wichtig im Tagesgeschäft. Und es muss auch nicht immer um Todesfälle drehen: Blutalkoholproben oder medizinische Gerichtsgutachten lebender Menschen gehören genauso zur Arbeit der über 20 Mitarbeiter der Einrichtung.

Den Mitglieder der Gesundheitsregion Brandenburg / BB bot sich ein umfassendes Bild: nüchterne Sektionsräume, die auch schon als Kulisse für TV-Krimis gedient haben, kompakte Labors mit modernster Analysetechnik und angeregte Gespräche untereinander und natürlich mit dem Gastgeber. Dabei kamen sowohl der unerwartet neutrale Geruch der Raumluft zur Sprache wie natürlich auch die Frage nach dem Umgang mit dem Tod als täglichen Wegbegleiter.

Dr. Semmler blieb keine Antwort schuldig. Glaubhaft, sachlich, aber auch bodenständig und authentisch brachte er seinen Gästen den Berufsalltag des Rechtsmediziners nahe. Natürlich sei auch er dabei nicht frei von Emotionen. Vor allem tote Kinder und grausame Morde beschäftigten ihn weit über seine Analysearbeit und die anschließenden Gerichtverfahren hinaus. Besonders ärgere er sich, wenn geschickte Verteidiger seine eindeutigen Erkenntnisse vor Gericht zu relativieren versuchten und manchmal auch damit durchkämen.

Grausige Fälle hat Dr. Semmler mehr als genug erlebt: zerstückelte Menschen, Wasserleichen, Sexualdelikte, Giftmorde, sogar einen Flugzeugabsturz. Viele Todesursachen erkennt er schon aus der Distanz, manche nur nach genauem Hinsehen oder bei der Durchsicht der Laborbefunde.

Gegenüber den Mitglieder der Gesundheitsregion Brandenburg / BB bekräftigt Dr. Semmler aber auch, dass in Deutschland viele unnatürliche Todesfälle unentdeckt blieben, weil die Rechtmedizin bundesweit und eben auch im Land Brandenburg immer mehr zu Tode gespart würde. Die Zahl der Obduktionen in Deutschland sei auf dem Niveau von Entwicklungsländern, betont er. Und „sein“ Institut stehe bei der Landesregierung seit Jahren auf einer Liste mit dem Vermerk „kann wegfallen“.

Die einstmals große rechtsmedizinische Sammlung musste bereits auf einige wenige Exponate ausgedünnt werden. Neben Präparaten aus Fällen der vergangenen Jahre sind dies vor allem historische Mumien und natürlich ein typisches Potsdamer Relikt: das alle überragendes Skelett eines Langes Kerls der preußischen Garde.

Heute zieht der Beruf des Rechtsmediziners vor allem junge Ärztinnen an. Dabei ist der Job nicht wirklich familienfreundlich: Bereitschaftsdienste am Wochenende, an den Feiertagen und natürlich auch nachts haben auch Dr. Semmler so manchen privaten Plan zu Nichte gemacht. Dennoch würde er sich auch heute wieder für seine Fachrichtung entscheiden.

Soviel Leidenschaft für den eigenen Job ist auch den Mitgliedern der Gesundheitsregion Brandenburg bei ihren zahlreichen Visiten in Praxen und Einrichtungen der Gesundheitsbrachen noch nicht oft begegnet. Die Rechtmedizin und ihr Brandenburger Kopf Dr. Jörg Semmler haben sich äußerst lebendig präsentiert und somit klargestellt: der Tod eines Menschen verdient definitiv mehr Achtung und Beachtung, als ihm heute oftmals zugebilligt wird.

Einige Impressionen der Mitgliedervisite: